
Junge Radfahrende setzen sich für eine flächendeckende sichere Fahrradinfrastruktur ein. © ADFC / Erik Hohmann
Kommentar des Jungen ADFC zur Halbzeitbilanz des Nationalen Radverkehrsplans
Das Bundesverkehrsministerium hat am 19. Juni eine Zwischenevaluation zum Nationalen Radverkehrsplan 3.0 (NRVP) veröffentlicht. Diese Halbzeitbilanz ist insgesamt ernüchternd, aber der Junge ADFC begrüßt den Fokus auf Kinder und Jugendliche.
Die Bundesregierung hatte sich mit dem Nationalen Radverkehrsplan 3.0 vorgenommen, die per Rad zurückgelegten Kilometer bis 2030 zu verdoppeln und flächendeckend im ganzen Land für attraktive und sichere Radwegenetze zu sorgen. Doch dieses Ziel wird mit dem bisherigen Ausbautempo und der bisherigen Finanzierung nicht ansatzweise erreicht. Insbesondere fehlen ein verbindlicher Umsetzungsplan und eine langfristig verlässliche Finanzierung für ein zusammenhängendes Netz. Der Junge ADFC schließt sich daher der ADFC-Forderung nach einem Bund-Länder-Vertrag und einer verlässlich finanzierten Fahrradmilliarde vom Bund an. Dies ist notwendig, um ein sicheres und gut ausgebautes Radwegenetz in Deutschland endlich verbindlich voranzubringen.
Trotz der ernüchternden Halbzeitbilanz begrüßt der Junge ADFC, dass darin der Rückgang der Fahrradnutzung bei Kindern und Jugendlichen als besorgniserregende Entwicklung ernst genommen und die Förderung der Radmobilität von Kindern und Jugendlichen zu einem Schwerpunktthema gemacht wird. Dieser richtige Fokus muss nun durch konkrete Maßnahmen und konsequente Kinder- und Jugendbeteiligung umgesetzt werden, um dem signifikanten Rückgang der selbstständigen Fahrradnutzung bei Kindern und Jugendlichen ab zehn Jahren, der rückläufigen Fahrradverfügbarkeit und wachsenden sozialen Ungleichheit beim Zugang zu Radmobilität entgegenzusteuern.
Das Bundesverkehrsministerium will die Radmobilität von Kindern und Jugendlichen deshalb für die zweite Hälfte der NRVP-Laufzeit schwerpunktmäßig fördern. Radverkehrsinfrastruktur mit besonderem Fokus auf kinder- und jugendrelevante Wege soll gezielt ertüchtigt werden und deren Netze besonders im Fokus stehen. Als weitere wichtige Themenfelder zur Förderung der Radmobilität von Kindern und Jugendlichen nennt das Bundesverkehrsministerium Verkehrssicherheit, Mobilitätsbildung und spezifische Herausforderungen unterschiedlicher sozialer Gruppen.
Der Junge ADFC begrüßt diese Schwerpunktsetzung und erwartet, dass sie durch konkrete Maßnahmen umgesetzt wird. Der Förderaufruf „Junge Generation Fahrrad – aktiv mobil“ ist ein guter erster Schritt. Dadurch werden bis zu 145 Millionen Euro für Projekte zur Förderung der Radmobilität von Kindern und Jugendlichen bereitgestellt.
Doch darüber hinaus sind langfristig verbindliche und verlässliche Investitionen notwendig, in deren Mittelpunkt die Schaffung sicherer und fehlerverzeihender Radverkehrsinfrastruktur stehen muss. Neben dem richtigen Fokus auf Kinder und Jugendliche sollte zudem die Gruppe der jungen Erwachsenen beachtet werden. Auch in dieser Gruppe geht die Fahrradnutzung zurück. Das ist problematisch, denn gerade beim Übergang ins Erwachsenenleben werden Verhaltensmuster geprägt und Entscheidungen getroffen, die das Mobilitätsverhalten auf lange Zeit prägen.
„Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene dürfen nicht allein als passive Zielgruppe verstanden werden, sondern als aktive Mitgestaltende einer zukunftsfähigen Mobilität. Schließlich wissen junge Menschen am besten, was sie selbst brauchen, um das Fahrrad viel und gerne zu nutzen. Gute Kinder- und Jugendbeteiligung schafft auf allen Ebenen verbindliche Strukturen für eine barrierearme Teilnahme – von der Planung bis zur Umsetzung“, sagt Sebastian Vogel, Bundesjugendsprecher des Jungen ADFC. Deshalb fordert der Junge ADFC regelmäßige Formate zur Kinder- und Jugendbeteiligung im Bundesverkehrsministerium sowie die Förderung verbindlicher Beteiligungsformate auch auf kommunaler Ebene und Landesebene.
Der Junge ADFC hatte sich im Vorfeld der NRVP-Halbzeitbilanz aktiv eingebracht. Bereits am 3. Juni 2025 nahm die stellvertretende Bundesjugendsprecherin Lena Becker am Strategieforum Radverkehr & Jugend beim Nationalen Radverkehrskongress (NRVK) teil. Bundesjugendsprecher Sebastian Vogel machte am 15. Dezember 2025 bei einem vom Bundesjugendring organisierten Jugendbeteiligungsformat im Bundesverkehrsministerium im Gespräch mit Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder klar, dass konsequente Radverkehrsförderung sehr wichtig ist.
Der Junge ADFC unterzeichnete anschließend ein gemeinsames Forderungspapier der teilnehmenden Jugendverbände. Zudem hat der Junge ADFC konkrete Erfahrungen, Forderungen und Empfehlungen eingebracht, die über den Bundesjugendring in die NRVP-Zwischenevaluierung eingeflossen sind. Um die Bedingungen für junge Radfahrende zu verbessern und dazu beizutragen, dass das große Potenzial des Fahrrads für günstige, unabhängige und nachhaltige Mobilität besser genutzt wird, wird sich der Junge ADFC auch weiterhin kritisch und konstruktiv beteiligen.